Der bekannte Schachautor und Taktikspezialist Tim Martin
führt den Leser nach einem Rückblick ins Jahr 1912 durch das Geschehen des
Schachjahres 2012.
Dieses war besonders angefüllt mit hochkarätigen Ereignissen:
Weltmeisterschafts-Matches der Männer und Frauen, Schach-Olympiade Istanbul
und Top-Turniere, in denen geniale Meister um die Weltspitze kämpften.
Der Autor stellt die besten Kombinationen aus diesen Ereignissen ausführlich
kommentiert vor und präsentiert dem Leser in den Rubriken:
"Bundesliga &
andere Mannschaftskämpfe aus nah und fern";
"Deutsche Meisterschaften";
"Open - Turniere";
"Schach international";
"Jugendschach"
und
"Seniorenschach"
ausgewählte Kombinationen zum Lösen, Lernen und
Genießen.
Mit ca. 370 Stellungen ist dieses Buch die größte Sammlung
brandaktueller
Schachtaktik auf dem Markt und bietet Lesern aller Spielstärke
unterhaltsame und lehrreiche Beispiele, die auch das eigene Spiel verbessern
können.
Titel: "Schachtaktik - Jahrbuch 2013" von Tim Martin
Nun schon im dritten Jahr haben der bekannte Autor Tim Martin (u.a.
Herausgeber der Reihe "Der Schachtrainer") und der JugendSchach Verlag Dresden
ein aktuelles Schachtaktik-Jahrbuch herausgebracht. Diesmal sogar mit Anfang
November wesentlich früher als in den Vorjahren und so wird das Buch wohl unter
manchem Weihnachtsbaum landen und vielen Schachfreunden trübe Wintertage mit
kombinatorischem Glanz aufhellen.
Das Cover steht ganz im Zeichen des WM-Jahres mit je einer Kombi von der WM
Anand – Gelfand, der Frauen WM und dem 1. Behinderten World Cup. Das
Innentitelblatt zeigt noch eine weitere Kombi: Meier – Ponormarjow, Dortmund
2012, Matt in 13 Zügen! Die wird zum Glück später ausführlich analysiert, denn
deren Lösung wäre doch ein wenig zuviel von Otto Normalschachspieler
verlangt.
Das Buch beginnt wieder mit einem Rückblick auf die Schachszene vor 100
Jahren. 1912 war das Jahr der großen Turniere San Sebastian, Bad Pistyan und des
DSB Kongress Breslau. Capablancas überraschender Sieg in San Sebastian startet
seine Karriere, die ihn zur Weltmeisterschaft führen wird. Doch Spieler des
Jahres ist Akiba Rubinstein. 23 Kombinationen, Endspiele und Studien geben dem
Leser Einblick in das Spiel von damals. Das bedeutendste Ereignis des Jahres war
allerdings der tragische Untergang der Titanic, mit dem natürlich kein
historisches Schachdatum mithalten kann.
Autor und Verlag haben einige Änderungen vorgenommen, die das Buch noch
besser und praktischer anwendbar machen als den Vorgängerband. Der Wunsch nach
mehr Textanteil wurde erfüllt. Die Topkombis von den Weltklasseturnieren sind
zudem stärker in den Rahmentext eingebunden und ausführlich kommentiert. Das ist
sehr vernünftig, denn die kann ja meistens ohnehin kein Leser selber
herausfinden.
Das Schachgeschehen des abgelaufenen Schachjahres 2011/12 wird in vier
Abschnitten geschildert, dazwischen sind die gewohnten Kapitel "Bundesliga und
andere Mannschaftskämpfe", "Deutsche Meisterschaften", "Open im In- und
Ausland", "Schach international", "Jugendschach" und "Seniorenschach". Besondere
Kurzkapitel behandeln die schon oben genannten Weltmeisterschaften, den
1.Behinderten World Cup in Dresden und Mark Langs Blindsimultan-Weltrekord.
Außerdem wird die Olympiade 2012 mit Bericht und 24 Kombinationen behandelt. So
aktuell war das Jahrbuch noch nie!
Neu ist auch, dass die Lösungen nun stets auf der gegenüberliegenden Seite
stehen, so dass der Leser leicht von der Lösung zum Diagramm und zurück blicken
und somit viele Stellungen vom Blatt lösen kann. Nun werden natürlich die
Schachfreunde, die das Buch als Schachtest nutzen wollen, einwenden, man werde
allzu leicht auf die Lösung schielen. Mit etwas Disziplin und einem Blatt, das
man über die Lösungsseite legt, sollte das aber vermeidbar sein und auf jeden
Fall ist es nun viel einfacher, die Lösung zu verfolgen und zu vergleichen. Ich
denke, das ist eine echte Verbesserung.
Die Textabschnitte führen den Leser vom Spätsommer 2011 bis zur
Schacholympiade Istanbul im September 2012 und beschreiben die wichtigsten
Schachereignisse. Magnus Carlsen und der Kampf um die Weltspitze sind wie schon
im Vorjahr ein spannendes Thema, umso mehr, als mit Fabiano Caruana und Anish
Giri weitere Wunderkinder zur Spitze streben.
Viele, vermutlich ein Großteil der Kombis sind bisher unveröffentlicht und so
finden auch die eifrigsten Leser von Schachmagazinen jede Menge neuer
Kombinationen. Wieder eine enorme Fleißleistung des Autors, der Tausende
von Partien nach Kombis durchsucht haben muss! Das Niveau der Kombinationen ist
breit gestreut und so sollten Spieler fast aller normalen Stärkeklassen genug
Ansprechendes und Lösbares finden – und für Meister gibt es ja das eingangs
erwähnte Matt in 13 Zügen und dergleichen!
Das Buch ist ein sehr gut gelungener Kompromiss zwischen der
Berichterstattung eines Schachjahres und einer umfangreichen Sammlung von
Taktikstellungen, die sowohl unterhaltend als auch für die eigene
Spielstärkeverbesserung hilfreich sind. Mit ca. 370 Stellungen wurde die
vorjährige Anzahl von ca. 311 sogar deutlich überboten, das sollte nun zum Üben
bis zum nächsten Jahrbuch reichen!
Da sich die Reihe anscheinend etabliert hat, gehe ich von einer Fortsetzung
in 2013 und den folgenden Jahren aus, was auf jeden Fall zu begrüßen wäre.
Mit 24,80 € bietet der großformatige Hardcover Band ein sehr gutes
Preis-Leistungs-Verhältnis und eine ausgezeichnete Mischung aus Training und
Unterhaltung.
Ottmar Walter
Titel: "Schachtaktik Jahrbuch 2013" von Tim Martin
Diese gebundene Hardcover-Ausgabe des Schachautors und
Schachtaktik-Spezialisten Tim Martin gilt nach Aussagen von zahlreichen
Schachverlagen und –anbietern mit rund gerechnet 370 Taktikstellungen als die
größte Sammlung auf dem Markt, die sowohl in hervorragendem Maße der privaten
Unterhaltung und Veranschaulichung, als auch der Verbesserung und dem gezielten
Training des eigenen Spiels dienen mag. Wer sich mit ganz viel Kurzweile durch
dieses Handbuch hindurchgearbeitet hat, erhält meines Erachtens einen enormen
Gegenwert, bzw. Lernfortschritt, aus dem sich auf ganz einfache (und einmal
nicht (!) multimedial gestützte) Art und Weise sogar für Spieler und
Spielerinnen unterschiedlichster Spielstärke lernen lässt. Der Lösungscharakter,
der dem Jahrbuch als forderndes Element inne liegt, lässt dabei die intrinsische
Motivation noch um ein Mehrfaches anwachsen.
Unser Buchautor lässt den Leser zuerst mit einer Reihe an Kombinationen,
Endspielen und Endspielstudien eine Zeitreise ins Jahr 1912 antreten, – das
Jahr, in dem ein außergewöhnlicher Spieler ersten Weltruhm sammeln und erlangen
konnte: Akiba Rubinstein –, bevor Martin uns dann in vier Teilen durch das
rasante Schachgeschehen des Jahres 2012 leitet. Ein Jahr, das reichlich
angefüllt war mit schachlichen Leckerbissen, so z. B. den
Weltmeisterschaftskämpfen der Männer und Frauen, der Schach-Olympiade in
Istanbul und etlichen Top-Turnieren, deren herausragende Partien allesamt
überaus umfangreich und detailliert kommentiert wurden. Auf 160 Seiten lässt
sich für alle Betrachter etwas Spannendes, etwas Entspannendes und auch etwa
Erlesenes finden.
Sogar der Bereich des Seniorenschach mit den Senioren-Weltmeisterschaften,
aber auch das Jugendschach, sowie die deutschen Jugendmeisterschaften erhielten
einen relativ breiten Raum zugewiesen, so dass auch für den Nachwuchs
hinreichend Motivation und Platz für taktische Erkenntnisse gegeben sind. Aus
Raumgründen kann es sich um keine umfassende Enzyklopädie handeln, die auch
wirklich jedes Highlight würdigt und berücksichtigt, aber dennoch macht gerade
die Auswahl und deren Beschränkung einen wesentlichen schachlichen Aspekt aus,
denke man zum Beispiel nur an das Ringen um die Weltspitze bei den Herren
zwischen Anand, Carlsen, Aronian oder Kramnik, mit deren Highlights sich mehr
als ein Buch locker füllen ließe. Beispielhaft für die hohe Dichte in der
Weltspitze mag das Botwinnik Memorial in Moskau gewesen sein, bei dem Magnus
Carlsen nicht eine Partie gewinnen konnte und somit nur Vierter und Letzter
wurde! Dennoch ist durch ein solches Turnier sicherlich zur Popularisierung des
Schachspiels beigetragen worden.
Weitere Highlights findet man in der Berichterstattung zur
Mannschaftseuropameisterschaft, aus deren Bereich einige sehr schöne Partien und
Erfolge unseres siegreichen Teams vorgestellt wurden, die aber nicht darüber
hinwegtäuschen können, dass wieder neue Zerwürfnisse auf Funktionärs- und
Spielerebene die Zukunft des deutschen Spitzenschach nachhaltig trüben.
Fazit: Das vorgestellte "Schachtaktik Jahrbuch 2013" ist in
der Tat sowohl für die eigene Unterhaltung als auch das eigene Lernen ein
hilfreicher Partner. Mehr sogar noch: dem Schachtrainer oder AG-Leiter wird
reichlich abwechslungsreiches Material angeboten, mit dem sich erfolgreich und
exemplarisch anleiten und lehren lässt. Die klassische Variante des Layouts (je
6 – 9 Diagramme auf der jeweils linken Seite – daneben rechts die dazugehörigen
Analysen, Lösungen und Hinweise) hat mir wirklich gut gefallen – kein unnützer
Schnickschnack, dafür klar strukturiert und sehr übersichtlich. Empfehlenswert!
Danke an Euro Schach Dresden GmbH & Co. KG und den JugendSchachVerlag für
das kostenlose Rezensionsexemplar.
Heinz-Willi Jansen (stellv. Schulleiter an der Kath. Hauptschule Stadtmitte
in Mönchengladbach)